Gemeinde Leezen über das Amt Crivitz

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Rampe

Ur-Rampe

Wer das kleine Dorf am Ostufer des Schweriner Außensees als seine Heimat gefunden hat, hat sich auch mit seiner Vergangenheit verbunden, mit der Landschaft, den Menschen und ihren Geschichten. Wo aber soll man anfangen mit diesem Ort “Rampe“? Mit dem Datum der Besitzstandurkunde, welches häufig als Geburtstunde von Städten und Dörfern anerkannt wird? Nein, allen Menschen die vorher hier am Ufer des Schweriner Sees gelebt haben, würden wir damit nicht gerecht werden!

 

Das kollektive Gedächtnis über die ersten Ansiedlungen ist verblasst und auch die archäologische Wissenschaft nähert sich neuen Erkenntnissen nur mit kleinen Schritten. Was bleibt, sind Mythen. Es sind die Deutungen der Umwelt mit erdachten Bildern, die nicht selten auch einen realen Bezug haben.

 

Für die Legende von Rampe hat vermutlich eine Besonderheit der letzten Eiszeit Pate gestanden. Vereinfacht dargestellt, hat noch in der Altsteinzeit (ca. 10.000 bis 7.500 v. Chr.) ein gewaltiger Gletscher der Pommerischen Zwischeneiszeit auf dem Schweriner See gelegen. Südlich von Raben Steinfeld hatte sich allerdings nach der Frankfurtschen Zwischeneiszeit schon seit Jahrzehnten Vegetation und Tierwelt entwickelt. Es gibt Siedlungsnachweise durch über 14.00 Jahre alten Krustenschaber, die bei Crivitz gefunden wurden. Dagegen ist ein Siedlungsplatz bei Hohen Viecheln am Nordende des Schweriner Sees erst um 6.600 v. Chr. bewohnt worden, also in der Mittelsteinzeit (7.500 bis 3.000 v. Chr.).

 

Für die aus Jütland (Dänemark) über die Lübecker Bucht einwandernden Steinzeitmenschen, die Tundrajäger und Fischer, muss der übrig gebliebene Eisberg auf dem Schweriner See mit seiner ungewöhnlichen Form die Phantasie inspiriert haben. So oder auch ganz anders ist der Mythos von Rampe und seinem Moor zwischen den beiden Seen entstanden.

 

Wer mag, kann diese Geschichte umschreiben, erweitern oder auch vergessen!

 

Wie Rampe Rampe wurde

Vor der Erinnerung der Menschheit gab es nur Chaos. Das Chaos in Rampe war weiß und kalt: Schnee auf einer fast 1.000 m dicken Eisschicht bedeckte den Schweriner See und seine Ufer. Seit mehr als 100.000 Jahren herrschten die Joten, die weißen Riesen, auf der nördlichen Erdkugel. Sie bedeckten Jörd, die Mutter Erde. Thor donnerte in seinem von Ziegenböcken gezogenen Wagen mit seinem Hammer über den Wolken. Jeden Frühling begann Thor, hitzig aus dem Westen kommend, zusammen mit dem Sonnengott Sol mit brüllenden Stürmen und blitzenden Gewittern den Kampf gegen die weißen Riesen. Im Herbst schwanden seine Kräfte und im Winter musste er ruhen.

 

Auf dem gewaltigen Eisberg über Rampe zwischen dem Schweriner Innen- und Außensee blieb einer der Kältegötter von Thorn unbehelligt. Sein Name ist Grim, ein Sonderling der nordischen Götterwelt. Während Thor die Gletscher der weißen Riesen aus der Prignitz und der Lewitz vertrieb, blieb Grim in seinem Eisblock auf dem Schweriner See sitzen. Die Eismassen der weißen Riesen hatten die Umgebung von Schwerin schon längst verlassen, nur Grim hatte sich im Ramper Moor festgesetzt.

 

Thor mochte diesen grauen mürrischen Kältegott und war gerne bei ihm Gast. Mit seinem von Ziegenböcken gezogener Wagen hatte er aber Schwierigkeiten, auf dem Schweriner See zu landen und zu starten. Anders als Götter werden Ziegen alt und brauchten Unterstützung. Der einsame Grim half Thor und schob mit seinem letzten Gletscher am Ostufer eine stattliche Start- und Landerampe für Thors Götterwagen zurecht. Vor Freude nannte Thor diesen Ort seine „Rampe“.

 

Grim blieb ein Sonderling. Seine Kräfte reichten nicht, sich mit Thor oder den weißen Riesen zu messen. Mit List und seinem eigenwilligen Humor hält er sich Götter und Menschen fern. Er ist nicht böswillig, kann aber Gesellschaft nicht vertragen. Götter können zwar nicht sterben, aber sich verwandeln. Das Ramper Moor war der geeignete Rückzugsort für diesen grauen Riesen, denn grau sind auch die gewaltigen Massen der Kalkerden.

 

Grim wirkt wie ein alter Mann mit langen, glatten grauen Haaren und Bart. Auch seine Augen sind eisgrau. Seine Kleidung passt sich seiner Umgebung an.

 

Noch heute erinnern sich die Menschen bei grimmiger Kälte an diesen frostigen Gesellen, der sich zuweilen auch als Einwohner von Rampe zeigte. Wer allein im Ramper Moor unter freien Himmel bei eisiger Kälte übernachtet, hat die Chance, diesen Gott der Kälte zu erkennen. Aber jeder, der ihm jemals begegnet ist, wurde tot und steif gefroren aufgefunden. Nur wer sich rechtzeitig abwenden konnte, ist mit einem abgefrorenen Finger davongekommen.

 

Grim führt oft eine Axt mit sich und hat eigenartige Eigenschaften. Er sammelt Gegenstände und Gedanken. Für alte Menschen ist er der Schutzpatron, wenn sie bei ihm ihre verlorenen Gedanken wieder finden wollen.

 

So leben die Leute in Rampe heute noch mit unbeständigem Wetter, das meist von der Westseite des Schweriner Sees mit dunklen Wolken droht. Grim aber hält die Gewitterwolken auf und lässt das Unwetter auf der Westseite des Schweriner Sees vorüberziehen. Der Sonnengott Sol verneigt sich allabendlich mit seiner tiefroten Sonnenscheibe über Grim und dem Ramper Moor zur Freude der Ramper Bewohner.

 

Steinzeitmenschen in Rampe

Vermutlich siedelten sich bereits vor etwa 9.000 Jahren mittelsteinzeitliche Fischer- und Jägergruppen an den Ufern der Schweriner Seen an. Es waren Nomaden aus Jütland, die über die Lübecker Bucht einwanderten. Durch die allgemeine Erwärmung veränderte sich die noch spärliche Vegetation der Birken-, Kiefern- und Weidentundra. Eichenmischwälder mit Linden, Ulmen und Ahornarten entstanden. Zu Beginn der Steinzeit noch eine feste Landverbindung mit Skandinavien, so bildeten sich vor 9.500 bis 6.000 Jahren die Uferlinien der Schweriner Seen, wie wir sie heute vorfinden. Das Klima war feucht und warm.

Die Hauptwerkzeuge der Sippen waren aus Feuerstein, Knochen und Geweihen gefertigt.

 

Feuersteine sind überall am Ostufer des Schweriner Sees zu finden. Dort, wo sich kleine Abschläge der Flintsteine häufen, können wir einen Werkstattplatz vermuten, wie zum Beispiel in Rampe. Das kann im Garten oder auch auf der Feldmark sein.

 

Die „Ur-Ramper“ jagten Renntiere, Bären, Urrind, Elche und hatten schon den gezähmten Wolfshund an ihrer Seite. Vor allem wird es aber Fisch gewesen sein, der die Mägen füllte. Auch Samen der Ampfer, Haselnüsse und Beeren standen auf dem Speiseplan.

 

Geblieben sind ihre bearbeiteten Flintsteine, die wir mit etwas Aufmerksamkeit noch heute finden können. Wo die Steinzeitmenschen aus Rampe geblieben sind, wissen wir nicht. Aus der jüngeren Steinzeit vor 6.000 bis 3.800 Jahren sind in Rampe keine archäologischen Funde bekannt. Auch aus der Bronzezeit vor 3.800 bis 2.600 Jahren fehlen Spuren, obwohl es in der Nachbarschaft in Görslow und Kritzow ein reges bronzezeitliches Leben gegeben hat. Es muss nicht bedeuten, dass in dieser Zeit keine Menschen auf der Gemarkung Rampe gelebt haben. Wir wissen es nur nicht.

 

Der sensationelle Fund von 1970

Der bisher einzige Last-Einbaum Mecklenburgs ist in der Ramper Bucht gefunden worden.

 

Starker Eisgang beschädigte in der Silvesternacht 1969/70 die Hochspannungsmasten in der Ramper Bucht. Im Zuge der Begutachtungen der Schäden fanden Taucher ein mit Steinen beladenen 11m langen Einbaum aus Eiche. Fast vollständig im Seegrund begraben, ragte nur der Bug heraus. Merkwürdigerweise befand sich im Bug ein Eisenring.

 

Herr Voß, ein leidenschaftlicher Hobbyarchäologe, beim Energieversorgungsbetrieb Schwerin tätig, ließ dass Boot untersuchen. Der noch vollständig erhaltene Lasteneinbaum wurde auf das Baujahr 180 v. Chr. Datiert, das ist die spätrömischen Eisenzeit. Ein Jahr später, 1971, haben Fischer mit ihrem Schleppnetz den noch herausragenden Bug abgebrochen. Schade!

 

Noch ein weiterer Einbaum liegt in der Ramper Bucht verborgen. Der Standort soll aber ein Geheimnis bleiben. Waren diese Boote für eine eventuelle Fährverbindung im Gebrauch?

 

Auf alle Fälle ist es ein spannender Stoff für die archäologische Forschung.

 

Rampe – einer der ältesten Orte Mecklenburgs

In der Stiftungsurkunde des Bistums Schwerin vom 9. September 1171 wird „Ranpen“ (später Rampe) und Alta Uilla (Hundorf) als Eigentum dem Schweriner Bischof im Schweriner Dom zugewiesen. Demnach wurde Rampe am 9. September 2013, 842 Jahre alt. Kein Dorf im Amtsbereich Schweriner Ostufer ist älter (Zum Vergleich: Zittow 1251; Brahlstorf 1262; Cambs 1331; Langen Brütz 1335; Görslow 1337). Von einer slawischen Siedlung wie in Cambs oder in Zittow gibt es für Rampe allerdings keine Zeugnisse.

 

In der Bewidmungsurkunde wird auch Lyzcowe als nahe liegende Siedlung beschrieben. Ob es sich dabei um Leezen handelt, kann vermutet werden.

Offensichtlich sind unsere Orte wesentlich älter als die „Eigentumsdokumente“ hergeben.

 

Bereits 15 Jahre später steht in der Bestätigungsurkunde des neu gegründeten Bistums Schwerin durch Papst Urban III. der eigentliche Orts- und Hofname Rampe. Rampe war gewissermaßen ein Vorposten der nachfolgenden Besiedlung durch deutsche Kolonisten und der Kirchenbauten am Ostufer des Schweriner Sees.

 

In der Chronik des Kirchenbaus in Zittow um 1230 werden Gespanne und Arbeitsleute aus Rampe erwähnt. Nach der Reformation fiel auch das „Kapitelgut“ des Schweriner Domkapitels um 1570 an die Landesherrschaft.

Neben dem herrschaftlichen Hof gab es um 1655 noch vier Bauernstellen des Chim Köhne, der Herrmann und Heinrich Timm und Karsten Möhlenfeld mit 6 Morgen Kirchenacker.

 

Was auf ritterlichen Gütern üblich, war passierte auch 1700 auf dem staatlichen Domänenhof in Rampe: die 4 Bauernfamilien wurden gelegt, quasi vertrieben. Verwaltet wurde die Staatsdomäne vom Domänenpächter oder so genannten „Pensionarii“ bzw.

„Ökonomierat“.

Überliefert sind die Pächter

This Crüger 1629, wegen Holzdiebereien und Pferdediebstähle verurteilt

Caspar Esslinger 1632

Friedrich Thesandt 1632

Wilhelm von Salzburg 1634

Hans Schlewe 1644

Hans Holste 1679,Prozeß wegen Verschlechterung des Hofes und abergläubischen Handels seiner Frau.

 

Aßmuß Mull 1680

Hans Christoph Brandt 1700

Johann Wilhelm Moll 1707

Hinrich Christoph Molle 1753,wahrscheinlich der Sohn von J. Wilhelm Moll

Carl Wiechmann 1756, im Schweriner See mit dem Fährmann ertrunken

Herr Hausschild 1766

Georg Friedrich Segnitz 1784

Gottlieb Suckow 1787

Christian Engel 1820, mit 38 Jahren verstorben

Herr Fischer 1834,

Heinrich Spetzen 1851

Friedrich Spetzen 1883,Sohn von H. Spetzen am 23.8.1914 verstorben.

Karl Frehse 1915, mit dem Gut 1935 in Konkurs gegangen

Otto Nolte 1937 bis 1945 mit der Auflage, 3 Doppelhäuser für die Gutsarbeiter zu bauen.

 

Es ist nicht nachzuvollziehen von wann bis wann die Pächter in Rampe wirkten. Die „Geschäftsführer“ auf dem 300 ha großen Gut hatten oft nur eine kurze Verweildauer. Die wirtschaftliche Situation bei den schwer zu bearbeitenden lehmigen Böden war problematisch. Schwerpunkt war Schafhaltung.

 

Bereits 1611 wird von einer Weidenutzung auf dem Ramper Werder (Teil des Ramper Moores)berichtet.

 

Eine Holländerei (Molkerei) auf dem Grundstück von Fam. B.Wille bis Fam.H. Quade zeugt von einer Milchviehaltung. Der letzte „Schweizer“(Chef der Milchkuhaltung) auf dem Gut bis 1945 war Herr Telscher, ein aus Östreich stammender Fachmann.

 

In den Jahren 1781 bis 1783 wurden auf der Ramper Feldmark begonnen, Kalkerde auszugraben. Verbuschten Löcher auf den Feldern sind keine eiszeitliche Relikte, sondern „Mergelgruben“, die in der mecklenburgischen Landschaft häufig sind. Für die rein extensiv bewirtschafteten Ackerflächen war Kalk ein wichtiger Rohstoff. Später, seit 1844 wurde der Wiesenkalk aus dem Ramper Moor für die Verbesserung der Ackerböden genutzt.

 

An Ideen für zusätzliche Einnahmen hat es in Rampe nicht gemangelt. Im 18.Jahrhundert wurde ein „Entenfang“ für den Fang von Wildenten auf der Schweriner Innenseeseite mit großem Aufwand mit einem Stichkanal und einem Weidenholzgehege gebaut. Der Entenfang dürfte einmalig in Mecklenburg sein. In Westfriesland sind diese Anlagen gebräuchlich gewesen.

 

Den Mangel an überlieferten Daten zu urteilen, war es eine Fehlinvestition.

Es war wohl in der Zeit um 1735 mit einer schweren Pockenepidemie in Rampe.9 Kinder sind an dieser furchtbaren Krankheit gestorben.

 

Aus dem 17. und 18.Jahrhundert sind nur spärliche Nachrichten der Einwohner von Rampe zu erfahren.

 

Außer den genannten Bauern wird 1660 die Heirat von Heinrich Timm mit Marie Bull aus Krebsförden erwähnt. Der älteste bekannte Todesfall aus Rampe ist ein 1668 im Brunnen ertrunkenes Kind.

 

Mehr als 40 Einwohner wird Rampe im 17. und 18.Jahrhundert nicht gehabt haben.

 

Eine fast vollständige Einwohnerliste ist von 1840 erhalten.

Die Bewohner waren Tagelöhner oder abhängige Hölländer(Buttermacher), Schäfer, Weber, Schneider, Fährmann und sogar ein Entenmeister. Familien, die in dieser Zeit in Rampe lebten, hießen Asmus, Beutin, Bossow, Dettmann, Haase, Hasselfeld, Hooren, Jacobs, Haphingst, Lehnmann, Lembck, Lohse, Lüders, Mittag, Rieckhof, Siggelkow, Doll, Boye, Prange, Weber, Lüß, Schneider, Kypcke und Schirrmeyer.

 

Wo mögen die Nachkommen dieser Familien geblieben sein?